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„Für die Gesetzgeber besteht Zugzwang!“

Wird es Annoncen dieser Art in Zukunft nicht mehr geben? Eine neue Regelung im Tierschutzgesetz soll das öffentliche Anbieten von Tieren verbieten.  Fotos: handout/privat, Vereine, W&W, Steurer

Wird es Annoncen dieser Art in Zukunft nicht mehr geben? Eine neue Regelung im Tierschutzgesetz soll das öffentliche Anbieten von Tieren verbieten.  Fotos: handout/privat, Vereine, W&W, Steurer

Neue Regelungen bei der Vermittlung von Tieren sollen unseriöse Praktiken verhindern. W&W sprach mit Tierschützern und Experten.

Ab Juli 2018 tritt ein neues Tierschutzgesetz in Kraft. Neu geregelt wurde das öffentliche Verkaufen und Anbieten von Tieren wie beispielsweise im Internet oder per Zeitungsinserat. Personen oder Organisationen wie Tierschutzvereine brauchen in Zukunft eine behördliche „Bewilligung zur Tierhaltung“, um Tiere öffentlich anzubieten. Für Tierheime gibt es bereits gesetzliche Regelungen, für sie ändert sich deshalb nichts. Doch was bedeutet die neue Regelung für die Vereine?

„Mundpropaganda allein reicht nicht aus“

Laura Scherr (24) vom Verein „Engel für Hunde“ erzählt: „Das neue Tierschutzgesetz hat Vor- und Nachteile. Ein Vorteil ist klar, dass nicht mehr jeder privat Tiere an- und feilbieten und diese auch ohne Vorkontrollen an beliebige Menschen vermitteln darf, doch für uns Tierschutz­vereine ist das eine Katastrophe. Wir sind auf die Möglichkeit der Internet- und Zeitungswerbung stark angewiesen, da Mundpropaganda allein nicht ausreicht für die hohe Menge an Tieren, die ausgesetzt oder gefunden werden und bei uns landen.“ Besonders den Wegfall der Zeitungsannoncen sieht die 24-Jährige als Problem: „Gerade Zeitungsannoncen machten einen großen Teil unserer Öffentlichkeitsarbeit aus. Besonders ältere Menschen greifen nur auf diese Möglichkeit zurück!“ Aufgrund der vielen Einwände gegen das neue Gesetz ist nun eine Art „Plattform“ im Internet geplant, bei der sich die verschiedenen Vereine anmelden und ihre zu vermittelnden Tiere herzeigen können. „Das Problem mit der Plattform sehen wir darin, dass wir die Vorgehensweise der anderen nicht beeinflussen können. Falls es also nun schwarze Schafe geben sollte, werden wir oder andere Vereine, die gute Arbeit leisten, gleich mit ihnen in einen Topf geworfen. Und auch das eben erwähnte Problem taucht wieder auf: Ältere Menschen sind oft wenig oder gar nicht im Internet unterwegs und kennen sich teilweise nicht aus. Wie sollen die nun auf diese Plattform zugreifen?“, so Scherr.

„Die Kommunikation war nicht einwandfrei“

Der ehemalige Landesveterinär, Dr. Erik Schmid, versteht die Aufregung um das neue Tierschutzgesetz nicht. „Dieses steht bereits ein halbes Jahr fest, plötzlich melden sich aber die ganzen Vereine“, teilt der Arzt auf Anfrage von W&W mit. „Es besteht sowieso ein Jahr Schonfrist, was meiner Meinung nach eine lange Zeit ist. Mir drängt sich außerdem auf, dass der Internethandel durch diese Proteste weiterhin verteidigt wird“, so Schmid. „Ziel ist der Stopp des illegalen internationalen Welpenhandels, was nur auf diese Weise möglich ist.“ Ein gewisser Standard soll mit der Abschaffung des „Handels für Jedermann“ erreicht werden: „Die zukünftige Heimat der Tiere muss begutachtet und abgewogen werden, ob das neue Familienmitglied dorthin passt. Vor allem bei ‚Problemhunden’ ist das nicht immer einfach. Die Tiere werden oft als ‚umgänglich und familienfreundlich’ angepriesen, was dann aber nicht der Fall ist“, erklärt Schmid. Auch den Auslandtierschutz sieht er problematisch: „Die Tiere im eigenen Land scheinen oft hintenanzustehen.“ Der Veterinär weist ebenfalls auf die geplante Internet-Plattform hin: „Den Tierschutzvereinen wurde eine andere Möglichkeit zur Vorstellung ihrer Tiere geboten.“ Doch auch Schmid gibt zu, dass in der Vergangenheit nicht alles perfekt gelaufen ist. „Die Kommunikation war nicht einwandfrei. Der Gesetzesentwurf wurde quasi ‚übers Knie gebrochen’ und nun herrscht große Aufregung.“

<p>Laura Scherr</p>

Laura Scherr

<p>Dr. Erik Schmid</p>

Dr. Erik Schmid