Zu Fuß durch ganz Österreich

Florian Tschiderer lief insgesamt 450 Kilometer durch Österreich.  Fotos: MiK/handout/privat

Florian Tschiderer lief insgesamt 450 Kilometer durch Österreich.  Fotos: MiK/handout/privat

„Into the Wild“: Die Reise des 18-jährigen Feldkircher Florian Tschiderer nach Wien dauerte 17 Tage.

„Nach der Matura habe ich einfach mal eine komplette Pause von allem gebraucht“, erklärt Florian die Hintergründe zu seiner Wanderung. Um den ganzen Stress der vergangenen Wochen abzubauen, machte sich der Feldkircher auf den Weg von Vorarlberg nach Wien. Die Idee zu diesem Trip kam ihm durch den Film „Into the Wild“, der auf einer wahren Begebenheit beruht. Darin läuft Christopher McCandless durch die USA bis nach Alaska. „Ich konnte mich gut mit ihm identifizieren und wollte etwas Ähnliches machen. Da die USA aber zu weit weg ist, habe ich mich für Österreich entschieden“, erklärt Florian. Für die etwa 650 Kilometer lange Strecke hatte sich der 18-Jährige gut vorbereitet. „Ich bin davor schon oft mit meiner Familie in den Bergen wandern gewesen“, erzählt Florian „Und ich bin einmal von Feldkirch nach Dornbirn gelaufen, um zu schauen, ob ich 30 Kilometer an einem Tag laufen kann“, sagt er. „Allerdings hatte ich damals einen deutlich leichteren Rucksack dabei.“

25 Kilo-Rucksack

Am 6. Juli startete der damals 17-Jährige vor seiner Haustür in Feldkirch-Gisingen. Mit dabei: ein 25 Kilo schwerer Rucksack. Florian hatte Zelt, Gasbrenner, wetterfeste Kleidung, ein zweites Paar Schuhe und immer vier Flaschen Wasser dabei. „Abends taten mir vom Rucksack oft die Schultern weh“, erinnert sich Florian. Bewusst hatte er sich dazu entschieden, die Wanderung alleine zu machen. „Mein Vater hätte mich gerne begleitet, aber ich wollte das alleine machen“, sagt er. Mit seinen Eltern hatte er aber vereinbart, sich jeden Tag zu melden, damit sie wussten, dass es ihm gut geht. Pro Tag legte er etwa 25 Kilometer zurück. „Am ersten Tag bin ich direkt 35 Kilometer gelaufen. Aber am nächsten Tag war ich dann total kaputt und habe nur 18 geschafft“, schildert Florian.

In Pensionen übernachtet

Den Großteil der Strecke legte er auf Wanderwegen zurück. „Das war aber nicht immer möglich. So musste ich auch manchmal auf Radwegen oder neben der Straße laufen“, sagt er. Jeden Tag übernachtete er in einem anderen Ort. „Da das Wetter oft schlecht war, habe ich meistens in Pensionen geschlafen“, sagt er. Bei seiner Wanderung sei er viel zum Nachdenken gekommen. „Ich habe viel über Freundschaft und Familie nachgedacht. Dadurch, dass ich alleine unterwegs war, habe ich gemerkt, wie wichtig diese Dinge sind und, dass man das Zuhause eigentlich gar nicht richtig schätzt“, sagt er. Deshalb freute er sich umso mehr, als seine Freunde und Familie ihn an seinem 18. Geburtstag, den 14. Juli, in Innsbruck besuchen kamen. „Das war echt toll.“ Jedoch musste er auch einen kleinen Rückschlag verkraften. In Tirol verletzte er sich an der Wurzel eines Baumes und musste ins Krankenhaus. „Ich wusste nicht, ob ich weiterlaufen kann, weil mein Zeh so weh tat“, erzählt er. Doch die Ärzte gaben Entwarnung und so konnte Florian schon am nächsten Tag wieder los. Aufgrund des Regens fuhr er kleinere Strecken mit dem Bus. „Wenn es stark regnete und ich irgendwo im nirgendwo war, bin ich mit dem Bus gefahren“, gesteht Florian. Etwa 450 der 650 Kilometer ist er aber gelaufen.

Wunderschöner Moment

Nach 17 Tagen erreichte er schließlich die Landeshauptstadt. Als Ziel hatte er die Gloriette in Schönbrunn ausgewählt. „Das war ein wunderschöner Moment als ich dort oben angekommen bin“, erinnert sich Florian. „Das war sogar besser als der Moment, als ich die Matura bestanden habe“, sagt er und lacht. Dennoch sei er auch froh gewesen, dass es vorbei war. „Ich weiß nicht, wie lange ich das von der körperlichen Verfassung her noch geschafft hätte“, sagt er. Florian blieb noch ein paar Tage bei Freunden in Wien und fuhr schließlich mit dem Zug zurück nach Vorarlberg. „Es war eine tolle Erfahrung und ich habe auf jeden Fall vor, eine solche Wanderung wieder zu machen. Dann aber in Amerika oder Kanada und auch nicht mehr alleine.“

<p class="caption">Sein Rucksack wog 25 Kilo.</p>

Sein Rucksack wog 25 Kilo.

<p class="caption">Florian lief ganz alleine.</p>

Florian lief ganz alleine.

„Ich konnte mich gut mit dem Hauptdarsteller identifizieren und wollte etwas Ähnliches machen. Da die USA aber zu weit weg ist, habe ich mich dann für Österreich entschieden.“

Florian Tschiderer

Zur Person

Name, Alter: Florian Tschiderer (18)
Wohnt in: Feldkirch-Gisingen
Schule: besuchte das Bundesgymnasium
Feldkirch Rebbergasse
Hobbys: Tennis, Fußball, Laufen